Gardisten und Offiziere
Knabbüss un Zabel vür die Naas
Die Gardisten und Offiziere bilden den Kern der Prinzengarde. Sie bestehen seit der Gründung der Prinzengarde. Zu Beginn waren es ein Feldwebel (Offizier) und acht Gardisten. Die Gardisten führten bei Auftritten den Gardetanz auf.
Seit 1928 gehört dem Tanzcorps auch ein Mariechen an, das zunächst durch einen Mann verkörpert wurde; seit dem Jahre 1938 übernimmt diese Rolle eine Frau.
In den frühen Jahren beschränkte sich die Teilnahme am Karnevalsgeschehen auf den ursprünglichen Zweck der Prinzengarde dem Prinzen Karneval für alle Veranstaltungen, insbesondere im Rosenmontagszug, als Leibgarde für eine ständige Begleitung zur Verfügung zu stehen und die Beteiligung an karnevalistischen Veranstaltungen in Zülpich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich das Auftreten des Corps der Prinzengarde weiterhin stark auf die Karnevalstage, es kamen aber auch erste Auftritte bei befreundeten Vereinen in der Umgebung von Zülpich hinzu.
Das Programm der Prinzengarde an den Karnevalstagen wiederholt sich jedes Jahr und hat sich bis heute kaum verändert. Am Karnevalssonntag und Rosenmontag trifft sich die Garde vormittags zum Antreten in einer Zülpicher Gaststätte, von dort aus marschiert sie am Karnevalssonntag los um Freunden und Gönnern des Vereins eine Visite abzustatten. Am Nachmittag treffen sich alle Zülpicher Karnevalsvereine, um gemeinsam mit dem Prinzen zum Rathaus zu marschieren, wo die Schlüsselübergabe stattfindet. Vor dem Rosenmontagszug standen bis in die neunziger Jahre noch weitere Visiten auf dem Programm. Heute werden diese alle am Sonntag abgehalten. Am Rosenmontag trifft sich die Prinzengarde zum Erbsensuppenessen im Vereinslokal, bevor sie den Prinzen abholt und zur Zugaufstellung marschiert. Seit 1985 nimmt die Prinzengarde am Veilchendienstag komplett mit dem Prinz am Besuch der Zülpicher Krankenhäuser teil, in den Jahren vorher war es nur eine Abordnung.
Bei Auftritten der Prinzengarde auf Sitzungsveranstaltungen marschiert das Corps, angeführt vom Kommandanten und unter musikalischer Begleitung, in den Saal ein. Die Prinzengarde erfreut das Publikum während des Auftritts mit verschiedenen Tänzen, dem Stippeföttche-Tanz, dem Mariechentanz und dem Gruppentanz, anschließend folgen einige Musikstücke zum Mitschunkeln und Mitsingen, bevor das Corps wieder ausmarschiert.
Unter www.koelner-karneval.info findet man folgende Definition:
„Bei dem Stippeföttche-Tanz handelt es sich um ein traditionelles Ritual der Garden im Kölner Raum. Zu diesem Tanz stellen sich je zwei Gardisten, den Hintern einander zugekehrt, in leichter Kniebeuge mit vorgehaltenem Zabel auf. Auf Kommando wird der Hintern nach einem rhythmischen Musiktakt hin und her bewegt (sog. „wibbeln“). Das ist nicht nur sehr erotisch, sondern auch noch sehr witzig.“
Das Stippeföttche wird vom kompletten Corps der Prinzengarde präsentiert und musikalisch durch das Musikstück „Ritsch, ratsch – de Botz kapott“ begleitet. In früheren Jahren wurde zum Präsentiermarsch gewibbelt.


Im Gegensatz zum Stippeföttche wird der Gruppentanz von einem Teil der Gardisten nach einer einstudierten Choreographie getanzt.

Hierzu treffen sich die Gardisten vor der Karnevalszeit wöchentlich zur Tanzprobe. Als Musikmarsch für den Gruppentanz wählte die Prinzengarde in der Vergangenheit „Alte Kameraden“, „Das ist die Garde, die ihren Prinzen liebt“ und einen selbst komponierten Gardemarsch.
Mit der Einführung des aktuellen Laridah-Marsches, als Begleitung für den Gruppentanz, wurde auch die Besetzung des Tanzes geändert. Gardisten und Offiziere tanzen nun zusammen. Der Tanz kann abhängig von der Bühnengröße mit einer unterschiedlichen Anzahl Tänzern getanzt werden. Neben diesem, traditionell
zum Auftritt der Prinzengarde gehörenden Gruppentanz, hat das Offizierscorps in der Vergangenheit eine Zeit lang bei Veranstaltungen zusätzlich einen Offizierstanz mit einer Choreographie auf den Marsch „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ vorgeführt.

Eine weitere Bereicherung für den Auftritt der Prinzengarde ist der Mariechentanz. Hierbei kommt das Tanzpaar der Garde zum Einsatz und präsentiert eine anspruchsvolle Choreographie mit Hebungen, wofür das ganze Jahr über mehrmals in der Woche unter der Anleitung eines professionellen Tanztrainers trainiert wird. Die Musik zum Tanz ist heute ein Potpourri aus verschiedenen Karnevalshits und wird nach einigen Jahren immer wieder erneuert. Die ersten Tanzpaare haben ihren Mariechentanz zum Radetzky-Marsch getanzt.

Corpsauftritte dieser Art hat die Prinzengarde in ihrer Geschichte mittlerweile schon zahlreich durchgeführt. Bei eigenen und Karnevalssitzungen der anderen Zülpicher Karnevalsvereine ist die Prinzengarde jedes Jahr mit einem Auftritt zur Stelle. Die ersten Auftritte bei auswärtigen Veranstaltungen konnte die Prinzengarde in den sechziger Jahren verbuchen. Seit dem stieg die Anzahl der Auftritte ebenso wie die Anzahl aktiver Gardisten und Offiziere stetig an.
Am 16.02.1974 verzeichnete die Prinzengarde ihren ersten Auftritt in Köln bei der Prunksitzung der Falkensteiner Funken Kalk. Ein Jahr vorher hatte das Corps der Prinzengarde schon beim Umzug am Karnevalsdienstag in Köln-Kalk teilgenommen. In den nachfolgenden Jahren absolvierte die Prinzengarde weitere Auftritte bei den Freunden der Falkensteiner und bis heute sind jedes Jahr Auftritte bei Kölner Veranstaltungen auf dem Dienstplan des Corps zu finden.
Die ersten auswärtigen Auftritte machte die Prinzengarde jedoch bei befreundeten Vereinen (z.B. Euenheim oder Hürtgen). Hierbei nahmen die Gardisten, im Gegensatz zu heute, dann auch geschlossen mit Frauen den ganzen Abend an der Veranstaltung teil. Für die musikalische Begleitung des Auftritts hatte man das Tambourcorps Wollersheim engagiert, sodass es sich lohnte für die Fahrten zu den Auftritten einen Bus zu mieten. Auf den Busfahrten herrschte immer eine fröhliche Stimmung, daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit den 70er Jahren erhöhte sich die Anzahl der auswärtigen Auftritte für die Prinzengarde, so dass auch mehrere Auftritte an einem Abend auf dem Programm standen.
Wenn die Gardisten zusammen unterwegs sind, haben sie immer ein Ziel, dem Publikum ein bisschen „Spaß an d’r Freud“ zu bereiten, aber auch untereinander kommt der Spaß nicht zu kurz. Das Karnevalstreiben zwischen den Auftritten der Prinzengarde ist geprägt von Heiterkeit, so dass sich hier eine Reihe von Anekdoten über die lustigsten Vorkommnisse innerhalb der Gesellschaft aufzählen ließen. Eine witzige Geschichte stammt vom November 1970. In der Nacht vom 7. auf den 8. November wurden Mitgliedern der Garde zwei Helme gestohlen. Nach einem Zeitungsaufruf tauchten die Helme wieder auf und konnten im Dezember bei der Polizei abgeholt werden.

Ein weiteres, nicht alltägliches Vorkommnis, war der Stiefelmarsch 1981. Es wurde beschlossen für die Tanzgruppe gemeinsam neue Stiefel anzuschaffen. Nach einem Termin zur Stiefelanmessung im Februar erhielten die Gardisten ihre Stiefel im Sommer. Zwecks Gewöhnung an die neuen Stiefel im Hinblick auf die kommende Session unternahmen die Gardisten und Offiziere am 27. Juni 1981 einen Stiefelmarsch.

Verschiedene Mitglieder beteiligten sich auch neben dem aktiven Mitwirken in der Prinzengarde bei Karnevalsveranstaltungen in Zülpich. Jahr für Jahr standen einzelne Gardisten in der Bütt oder brachten Gesangsvorträge zum Besten. Dank dieser Beiträge war es den Zülpicher Vereinen möglich Sitzungsprogramme aufzustellen. War die Prinzengarde zu Besuch bei befreundeten Vereinen, so traten die Akteure auch hier zusätzlich zum Corpsauftritt gerne auf und bereicherten das Sitzungsprogramm mit ihren Vorträgen, die sie für die eigenen Zülpicher Veranstaltungen einstudiert hatten. Hier erhielten sie zusätzlich Anerkennung für die mühevollen Vorbereitungen.

In der Prinzengardesitzung 1962 präsentierte sich erstmals das Chiplüz’er Ballett, ein Holzschuhballett bestehend aus drei Damen und drei Herren, alles Gardisten der Prinzengarde.
Dieses Ensemble war in den kommenden Jahren ein fester Bestandteil der Sitzung. Das Herrenballett hatte bis in die neunziger Jahre bestand, wobei sich die Besetzung mit der Zeit änderte. Stramme Prinzengardisten ließen als Primaballerinen, Stadthallen-Raumpflegerinnen oder Badenixen in aufregend knapper Kleidung so manche Frauenherzen höher schlagen und kamen beim Publikum immer sehr gut an. Ein anderes Mal bot man mit Federbüschen, rückenfreien Trikots, schwarzen Netzstrümpfen mit dezenten Strumpfbändern und hochhackigen Schuhen einen Hauch von Pariser Charme.

Ein Höhepunkt des Männerballetts war der Auftritt bei einer Sendung des Deutschlandfunks 1984. Dieser gut gelungene Auftritt mit Spitzenkräften des rheinischen Karnevals bedeutete für die Garde eine ausgezeichnete Reklame. Bei der Einstudierung der Tänze hatte sich die Ballettlehrerin Margit Konstantinovic engagiert.
Zur Überraschung des Publikums haben die aktiven Gardisten in den letzten Jahren in der Sitzung eine Sondernummer in tänzerischer oder anderer Form aufgeführt. So traten in der Sitzung 1985 ehemalige Tanzpaare der Prinzengarde als Ballett „Die Ehemaligen“ auf. 1990 konnten die Gäste der Sitzung Gardisten in eleganter Damenbekleidung bei einer musikalischen Modenschau beobachten, da blitzte schon mal ein „Plastik-Po“ hervor. In der Sitzung am 24. Januar 1992 bildete wieder eine Gruppe Prinzengardisten den humorvollen Abschluss. Die Gruppe „Nix ess ömmesöns“ veranstaltete eine Nubbelbeerdigung. Manche Zuschauer brauchten eine Erläuterung, um den humorvollen Sinn der Aufführung zu verstehen. In den Jahren, als die Prinzengarde einen Prinz stellte, präsentierten die Kameraden immer eine Überraschung für den Prinz aus ihren Reihen.
Nach dem Jubiläum im Jahr 1998 hatte sich eine Gruppe aktiver Prinzengardisten die Nachahmung von „Guildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe“ vorgenommen. Im Publikum wurden Nussecken verteilt und die Nummer wurde ein voller Erfolg.

Außerhalb der Karnevalssession trafen sich die Gardisten und Offiziere regelmäßig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in monatlichen Versammlungen Verkündigungen unter den Mitgliedern verbreitet und Abstimmungen über die Mitglieder betreffende Angelegenheiten durchgeführt. Hier wurde zum Beispiel über den Eintritt neuer Mitglieder entschieden. Es kam zu dieser Zeit auch vor, dass Gardisten wegen schlechtem Benehmen im Rosenmontagszug aus der Prinzengarde ausgeschlossen wurden. Später veranstaltete der Verein Kameradschaftsabende oder man traf sich gemeinsam mit allen Gardisten und Offizieren regelmäßig in unterschiedlichen Zülpicher Gaststätten. Heute bietet der Münstertorabend Gelegenheit zur Kameradschaftspflege.





